Jodocus wird unter französischer Herrschaft geboren. Seine Kindheit prägen der frühe Verlust der Eltern und politische Umbrüche.

Luftaufnahme von Wehlen an der Mittelmosel
Wehlen an der Mittelmosel – Geburts- und Wirkungsort des Jodocus Prüm, aus der Luft gesehen.

Kindheit und Jugend

Porträt des Jodocus Prüm
Jodocus Prüm – kolorierte Rekonstruktion nach einer zeitgenössischen Fotografie.

Jodocus Prüm wurde am 22. September 1807 in Wehlen als zwölftes von dreizehn Kindern des Johann Philipp Prüm und der Maria Katharina Schander geboren. Seine jüngste Schwester Maria Anna kam am 14. November 1808 zur Welt.

Mit eineinhalb Jahren verliert er seinen Vater, der am 25. März 1809 stirbt. Am 24. Juni 1819 stirbt seine Mutter; Jodocus ist elf Jahre alt. Nach dem Verlust beider Eltern übernehmen die älteren Brüder – vor allem Sebastian Alois – eine wichtige Rolle.

Hineingeboren in die Umbrüche

Jodocus wird in eine Zeit großer politischer Umwälzungen hineingeboren. Vier Jahre vor seiner Geburt geht infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 das Erzbistum Trier unter – es hatte seit dem 3. Jahrhundert bestanden, die Mittelmosel stand seit karolingischer Zeit unter seiner Herrschaft. Über Jahrhunderte bewirtschafteten seine Vorfahren neben eigenem Besitz als Gutsverwalter kirchliche Güter, unter anderem von St. Maximin in Trier.

Seine Heimat ist bei seiner Geburt französisch. Wehlen gehört 1807 als „Velen“ zum Département de la Sarre, Kanton Berncastel, Arrondissement Trier. Erst mit dem Wiener Kongress fällt es im April 1815 an Preußen.

Im Zuge der Säkularisation 1803–1813 werden kirchliche Güter versteigert, darunter bedeutende Weinbergslagen. Jodocus’ Vater nutzt die Gelegenheit und erwirbt eine Reihe von Weinbergen. So wird der Grundstein für den späteren Wohlstand der Familie gelegt, den sein Bruder Sebastian Alois als Marke „S.A. Prüm“ etabliert.

Soziale Not an der Mosel

Der Weinbau an der Mosel durchlebte im 19. Jahrhundert eine Reihe von Krisen. Nach einem kurzen Weinboom 1818–1828 zerstörte der Preußisch-Hessische Zollvertrag von 1828 die Absatzmärkte der Moselwinzer schlagartig: Billigere Weine aus Hessen, Württemberg, Franken, der Pfalz und dem Rheingau strömten in den Markt. Die Preise brachen um bis zu 75 Prozent ein.

Armut und Not der Moselwinzer prägten das Werk eines anderen bekannten Moselaners: Karl Marx, zehn Jahre nach Jodocus am 5. Mai 1818 in Trier geboren, wie Jodocus Sohn eines Weinbergsbesitzers. Beide waren Zeitzeugen desselben Missstandes. Sie antworteten verschieden: Jodocus mit Sozialprojekten, Marx mit Fundamentalkritik am preußischen Kapitalismus. Beide eint ihr Mitgefühl.

Ein Schlüssel zu Jodocus ist der Dreiklang aus Tradition, Gläubigkeit und Empathie. Das Leben an der Mosel war über Jahrhunderte hart. Jodocus’ Werke erinnern daran.

Die großen Werke

Sein Lebenswerk – mehrheitlich in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod – lässt sich an einer Handvoll Bauten ablesen:

Tod und Nachleben

Am 27. März 1876 stirbt Jodocus Prüm in Klausen, während der Arbeiten an der Wallfahrtskirche. Er wird in Wehlen in der Alten Kirche beerdigt; dort steht in der Krypta sein Sarkophag, den er sich zu Lebzeiten selbst herstellen ließ. Neben ihm ruht sein Onkel Johann Sebastian Prüm (1759–1833), erster Träger des Namens Sebastian in der Familie.

Von den sechs Neffen des Jodocus heiratet nur Matthias Prüm (1835–1890). Dessen Nachkommen sind die heute international bekannten Riesling-Erzeuger Joh. Jos. Prüm, S.A. Prüm, Dr. Loosen, Robert Weil, Pauly-Bergweiler, Weins-Prüm, Studert-Prüm und weitere.

Zum 200. Geburtstag gründeten 2007 Dr. Jost Prüm und Dr. Eckart Prüm die Bürgerstiftung Jodocus Prüm, die an sein Wirken anknüpft.

Jodocus erzählt sein Leben

Jodocus Prüm erzählt sein Leben – KI-gestützte Rekonstruktion auf Basis zeitgenössischer Quellen.