Die Wehlener Sonnenuhr ist heute eine weltbekannte Weinlage. Errichtet wurde sie zur Zeitorientierung für die Winzer.
Die Idee: Zeitmesser für Winzer
1842 errichtete Jodocus Prüm an den Schieferfelsen inmitten der besten Wehlener Weinberge die Sonnenuhr. Im selben Jahr erneuerte er die benachbarte Zeltinger Sonnenuhr. Sein Ziel war nicht, Weinlagenbezeichnungen zu schaffen – er wollte den Winzern schlicht die Zeitorientierung erleichtern.
Die Lage hieß damals Lammerterlay. Der Hang ist südwestlich exponiert und liegt auf 110 bis 250 Metern Höhe. Die Neigung beträgt 60 bis 100 Prozent. Die Reben stehen auf devonischem Schiefer, der die Tageswärme speichert und nachts abgibt. Zu über 99 Prozent wächst hier Riesling in traditioneller Einzelpfahlerziehung.
Der Chronist Christian von Stramberg nannte die Lage „einen der prachtvollsten Weinberge der gesamten Mosel“.
Die fehlende „7“
Das Zifferblatt der Sonnenuhr hat eine Besonderheit: Die Zahl 7 fehlt. Das ist Absicht – um 7 Uhr morgens und abends liegt die Uhr im Schatten, die Ziffer würde nie angezeigt. Der Erbauer befolgte das alte Motto:
Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur.
Die Uhr zeigt die wahre Ortszeit, nicht die mitteleuropäische Zeit. Wegen der westlichen Lage Wehlens geht sie rund 30 Minuten nach.
Vom Zeitmesser zur Weinlage
1868 taucht der Lagenbegriff erstmals in einer Lagenkarte auf. Um die Jahrhundertwende setzte sich die Bezeichnung Sonnenuhr für die umliegenden Weinberge durch und verdrängte den alten Namen Lammerterlay. Allein am Wehlener Berg bestanden zuvor noch zehn weitere Bezeichnungen.
Die überragende Qualität der Weine ließ das Ansehen der Wehlener Sonnenuhr bald weit über die Nachbarlagen hinauswachsen.
- 1842Errichtung der Sonnenuhr durch Jodocus Prüm.
- 1868Erste Erwähnung als Lagenbezeichnung in einer Weinlagenkarte.
- 1913Am 29. August offizielle Zulassung der rund 10 ha großen Lage.
- 1953Gemeinderatsbeschluss zur Erweiterung auf 35 ha.
- 1980Nach zehnjährigem Rechtsstreit Kompromiss: Lagenbezeichnung auf rund 47 ha begrenzt.
Der Lieblingswein des Curd Jürgens
Der Wehlener Sonnenuhr setzte der Film „Des Teufels General“ ein Denkmal – mit dem Jahrhundertjahrgang 1921. Es war der Lieblingswein von Curd Jürgens. Der General sinniert:
Sie sah aus wie … Warte mal, ein Wein schmeckt so. Wehlener Sonnenuhr, an einem schönen Sonntagmorgen. Was war’s denn für ein Jahrgang? – Der allerbeste. Einundzwanziger. — aus „Des Teufels General“ (1955)
Die Zeltinger Sonnenuhr
Die Zeltinger Sonnenuhr liegt in den Schieferfelsen direkt angrenzend an die Wehlener Sonnenuhr. Sie ist die größte Sonnenuhr in einem deutschen Weinberg. Ihre Herkunft ist umstritten: Nach der einen Überlieferung ließ ein Abt des Klosters Himmerod sie bereits 1620 errichten – das würde sie zur ältesten Sonnenuhr an der Mosel machen. Nach der anderen errichtete Jodocus Prüm sie 1842, im selben Jahr wie die Wehlener Sonnenuhr.
Die Ähnlichkeit der Ziffern und der Nadelhalterung spricht für Jodocus. Denkbar ist, dass er eine ältere, verfallene Sonnenuhr lediglich erneuerte. Die Zeltinger Sonnenuhr wurde kürzlich renoviert; an sonnigen Tagen lassen sich alle Stunden ablesen.
Wie die Wehlener Sonnenuhr gibt auch die Zeltinger Sonnenuhr einer international bekannten Weinlage ihren Namen. Weingüter wie Selbach-Oster und Joh. Jos. Prüm erzeugen unter der Bezeichnung Zeltinger Sonnenuhr Rieslinge, die zu den gefragtesten der Mosel zählen.